Wasser Eigenschaften, Dampfdruck, Destilliertes Wasser, Mineralstoffaufnahme



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Sehr gute Zusammenstellung über die Eigenschaften des Wassers von Dr.Grimm
(Die Tabelle über Dampfdruck ist zur besseren Übersicht etwas modifiziert). Für die Richtigkeit dieses Textes übernimmt der Betreiber dieser Website keine Verantwortung. siehe auch ...Haftungsausschluß

Zum Originalartikel (URL) : http://www.wissenschaft-technik-ethik.de/Download/wasser.txt

Wasser - Eigenschaften, Daten und PhänomeneAutor und (c):
Dr.-Ing. Heiner Grimm, Clausthal-Zellerfeld

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Inhalt:

1. Wasser und Mengeneinheiten

Normalerweise wird eine Wassermenge in Massen- oder Volumeneinheiten angegeben.
Gebräuchliche Masseneinheiten:
1 kg
1 t ("Tonne") = 1000 kg
Gebräuchliche Volumeneinheiten:
1 l ("Liter") = 1,000028 dm³ = 1000,028 cm³ = ca. 1000 cm³
1 ml ("Milliliter") = 1/1000 l
1 m³ ("Kubikmeter") = 999,972 l = ca. 1000 l

Masseneinheiten sind fast immer vorzuziehen, da sie unabhängig von Temperatur und Druck sind. Bei Verwendung von Volumeneinheiten sollte zumindest die dazu gehörende Temperatur mit angegeben werden, wenn einigermaßen genaue Werte benötigt werden.

1 l ist definiert als das Volumen, das genau 1 kg Wasser bei seiner höchsten Dichte (bei 3,98°C = ca. 4°C) bei Normaldruck einnimmt. Die Abweichung von 1 dm³ ist so gering, dass man im Normalfall 1 l und 1 dm³ als gleich ansehen kann.


2. Wasser und Dichte

2.1 Allgemeines und Dichtetabelle

Die Dichte hängt beim Wasser, wie auch bei anderen Stoffen, ab von der Temperatur und vom Druck. Außerdem spielen gelöste Stoffe eine Rolle: Auch in entmineralisiertem Wasser sind normalerweise Gase gelöst, da das Wasser ja im Normalfall ständig mit Luft in Kontakt ist.

Dichte von reinem, luftfreiem Wasser bei Normaldruck (101300 Pa ("Pascal"), = 1013 mbar) zwischen 0 und 100 °C in kg/m³:

Die Tabelle wurde am 31.7.04 um einige Zwischenwerte erweitert und die bisherigen Werte ggfs. leicht korrigiert nach aktuelleren Werten der PTB in Braunschweig.



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Temp.(°C) D(kg/m³)
===================
0 918 (Eis)
0 999,84
1 999,90
2 999,94
3 999,96
4 999,97
5 999,96
6 999,94
7 999,90
8 999,85
9 999,78
10 999,70
11 999,60
12 999,50
13 999,38
14 999,24
15 999,10
16 998,94
17 998,77
18 998,59
19 998,40
20 998,20
21 997,99
22 997,77
23 997,54
24 997,29
25 997,04
26 996,78
27 996,51
28 996,23
29 995,94
30 995,64
31 995,34
32 995,02
33 994,70
34 994,37
35 994,03
36 994,68
37 994,32
38 992,96
39 992,59
40 992,21
45 990,21
50 988,03
55 985,69
60 983,19
65 980,55
70 977,76
75 974,84
80 971,79
85 968,61
90 965,30
95 961,88
100 958,35
100 0,590 (Wasserdampf,
1013 mbar)



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Die Tabellenwerte können folgendermaßen in andere Einheiten umgerechnet werden:

Tabellenwert / 1000 = Wert in kg/dm³
Tabellenwert * 0,001000028 = Wert in kg/l oder g/ml
(oder: Tabellenwert / 999,972 = Wert in kg/l oder g/ml)

Die Abhängigkeit der Wasser-Dichte vom Druck ist verhältnismäßig gering. Je 1 bar (=100000 Pa) Druckerhöhung erhöht sich die Dichte um ca. 0,046 kg/m³ (gilt bis ca. 50 bar). Normale Luftdruckschwankungen haben auf die Dichte des Wassers demnach praktisch keinen Einfluss.


Dichte von Wasserdampf

Eine einfache Methode, die Dichte von Wasserdampf für eine bestimmte Temperatur und einen bestimmten Druck annähernd zu berechnen, beruht auf dem idealen Gasgesetz. Danach berechnet sich das Volumen eines idealen Gases nach:

V = n * R * T / p

V: Gasvolumen in m³
n: Stoffmenge des Gases in Mol
R: Universelle Gaskonstante = 8,314 J/Mol/K
T: Absolute Temperatur in K
p: Druck in Pa (Normaldruck = 101300 Pa)

Die Stoffmenge in Mol kann aus der Masse und dem Molekulargewicht errechnet werden:

n = m / M

m: Masse in kg
M: Molekulargewicht in kg/Mol (Wasser: M = 0,018015 kg/Mol)

Die absolute Temperatur kann aus der gewohnten Celsius-Temperatur errechnet werden:

T (in K) = Tc (in °C) + 273,15

Tc: Celsius-Temperatur in °C

Damit ergibt sich für das Gasvolumen:

V = m / M * R * (Tc + 273,15) / p

Und da die Dichte der Quotient aus Masse und Volumen ist, kann die Dichte eines idealen Gases berechnet werden nach:

D = m / V = p * M / R / (Tc + 273,15)

D: Dichte in kg/m³

Real existierende Gase verhalten sich meist annähernd wie ideale Gase. Als Faustregel gilt: Gemessene und nach idealem Gasgesetz berechnete Werte stimmen bei niedrigen Drücken und hohen Temperaturen tendenziell besser überein als bei niedrigen Temperaturen und hohen Drücken.

In der folgenden Tabelle sind Dichten von Wasserdampf bei verschiedenen Temperaturen und Drücken aufgelistet (1 bar = 100000 Pa) und als Vergleichswerte die nach dem idealen Gasgesetz berechneten Dichten mit aufgeführt.

Druck (bar) 
Temp. (°C)  
D(kg/m³) gemessen
D(kg/m³ berechnet

1,0   
1,0   
1,0   
1,0   
1,0   
1,0   
1,0   

10,0 
10,0 
10,0 
10,0 
10,0 

100 
100  
100  
100  

100
150
200
250
300
400 (1)
500 (1

200  
250  
300  
400  (1)
500  (1)

350 
400 (1)
500 (1)
600 (1)

0,590
0,516
0,460
0,416
0,379
0,322 (1)
0,281 (1

4,86
4,30
3,88
3,26 (1)
2,83 (1)

44,6
37,9 (1)
30,5 (1)
26,1 (1)

0,588
0,519
0,464
0,420
0,383
0,326 (1)
0,284 (1

4,64
4,20
3,83
3,26 (1)
2,84 (1)

35,2
32,6 (1)
28,4 (1)
25,1 (1)

(1): Über der kritischen Temperatur: Wasser und Dampf sind hier ein und dasselbe



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2.2 Die Dichteanomalie des Wassers

Was ist die Dichteanomalie des Wassers?

Die Dichte der verschiedenen Substanzen nimmt so gut wie immer mit steigender Temperatur ab. Beim Schmelzen gibt es noch einmal eine sprunghafte Abnahme der Dichte, so dass Festkörper normalerweise spezifisch erheblich schwerer sind als ihre Schmelze und darin untergehen.

Nicht so beim Wasser. Zwar nimmt beim Abkühlen von heißem Wasser die Dichte zunächst mit abnehmender Temperatur zu, so wie bei anderen Stoffen auch. Bei etwa 4°C erreicht die Dichte des Wassers jedoch ein Maximum und nimmt von da an mit abnehmender Temperatur wieder ab. Beim Gefrieren gibt es noch einmal eine sprunghafte Abnahme der Dichte, ganz im Gegensatz zum Verhalten anderer Stoffe (s. Tabelle).

Wie ist diese Anomalie des Wassers zu erklären?

Grundsätzlich gilt für Wasser, wie für andere Stoffe auch, dass mit steigender Temperatur die Moleküle sich immer heftiger bewegen und dadurch immer mehr Platz beanspruchen. Deshalb dehnen sich die Stoffe mit steigender Temperatur gewöhnlich aus, ihre Dichte nimmt ab. Beim Schmelzen wird gar ein bis dahin geordnetes Kristallgitter, in dem die Moleküle Platz sparend angeordnet sind, aufgelöst, ein relativ ungeordneter "Haufen" Moleküle entsteht. Es ist ähnlich wie mit einer Anzahl Pakete: Ordentlich gestapelt nehmen sie weit weniger Raum in Anspruch als wenn man sie einfach auf einen Haufen wirft. Deshalb sind die meisten Stoffe im flüssigen Zustand spezifisch leichter als im festen.

Wenn dies beim Wasser anders ist, dann hat das einen einfachen Grund: Im Eis sind die Wassermoleküle eben nicht Platz sparend angeordnet. Die Ursache hierfür sind die bei Wassermolekülen ganz besonders stark ausgebildeten elektrostatischen Kräfte zwischen den Wasserstoff- und den Sauerstoffatomen. Diese Kräfte bewirken, dass ein Kristallgitter entsteht, bei dem die Wasserstoffatome möglichst nah an den Sauerstoffatomen (unterschiedliche elektrische Ladungen ziehen sich an) und möglichst weit weg von anderen Wasserstoffatomen angeordnet sind. Diese Anordnung ist aber mit einer dichten Packung der Moleküle nicht vereinbar. Deshalb ist Eis weniger dicht als Wasser.

Bei Temperaturen nahe am Schmelzpunkt beginnen sich bereits (unbeständige) Eisstrukturen zu bilden, die das Wasser insgesamt etwas "auflockern". Ab ca. 4 °C abwärts überwiegt Dieser Effekt gegenüber der Dichtezunahme durch die geringer werdende Molekülbewegung und die Dichte des Wassers nimmt wieder ab.



2.3 Messung der Dichte:

Zur Dichtemessung mit "Hausmitteln" benötigt man eine Waage und ein Gefäß mit einem bestimmten Volumen. Zu beachten ist die Temperatur, bei der gemessen werden soll.

(Ob mit einer Waage das Gewicht oder die Masse gemessen wird, hängt von ihrer Konstruktion ab. Der feine aber himmelweite Unterschied zwischen Gewicht und Masse muss an dieser Stelle aber nicht interessieren.)

1. Das Gefäß, z.B. eine Flasche, wird am Hals mit einer Markierung versehen ("Eichstrich"). Dann wird das Gefäß leer gewogen.

2. Gefäß, Wasser und die zu messende Flüssigkeit werden auf gleiche Temperatur gebracht, indem man alles ein paar Stunden lang im gleichen Raum stehen lässt.

3. Das Gefäß wird einmal mit Wasser (als Vergleichsstoff mit bekannter Dichte) und einmal mit der zu messenden Flüssigkeit bis genau zur Markierung gefüllt und beide Male gewogen. Von den ermittelten Gewichten wird jeweils das Leergewicht des Gefäßes abgezogen.

4. Die Berechnung wird folgendermaßen durchgeführt:

g(Fl): Gewicht der Flüssigkeit (ohne Gefäß)
g(Wa): Gewicht des Wassers (ohne Gefäß)
D(Wa): Dichte des Wassers bei Messtemperatur (s. Tabelle)
D(Fl): Dichte der Flüssigkeit

D(Fl) = g(Fl) / g(Wa) * D(Wa)

Beispiel:
Flasche wiegt 345 g
Flasche mit Wasser wiegt 683 g
Flasche mit Flüssigkeit wiegt 623 g
Messtemperatur ist 20°C
g(Fl) = 623g - 345g = 278g
g(Wa) = 683g - 345g = 338g
D(Wa) = 998,21 kg/m³

D(Fl) = 278g / 338g * 998,21 kg/m³ = 821 kg/m³

Jetzt aber bloß nicht auch noch die ganzen Nachkommastellen mit hinschreiben, die der Taschenrechner so von sich gibt. Wenn diese Messung mit Hausmitteln sauber und korrekt durchgeführt wurde, kann man in diesem Beispiel davon ausgehen, dass die tatsächliche Dichte irgendwo zwischen 810 und 830 kg/m³ liegen wird.

Abzuraten ist davon, das Volumen der Flüssigkeit einfach mit einem Messbecher o. Ä. zu messen und dann abzuwiegen. Sowohl Messbecher als auch (Küchen)waage sind eher "Schätzeisen" als genaue Messgeräte. Die so gemessenen Dichten sind dann folglich auch bloß grobe Schätzwerte. Bei der oben beschriebenen Methode wird dagegen ein Vergleich mit der sehr genau bekannten Dichte des Wassers durchgeführt. Das Volumen des verwendeten (Mess-)Gefäßes ist dabei völlig belanglos und selbst eine ziemlich daneben messende Waage würde Wasser und Flüssigkeit ungefähr gleich falsch messen, so dass sich die Wägefehler bei der Berechnung einigermaßen wieder ausgleichen werden.

Wenn nur wenig Flüssigkeit zur Verfügung steht, kann die Dichte auch anders bestimmt werden. Saugt man Wasser und Flüssigkeit in 2 durch ein T-Stück o. Ä. miteinander verbundenen (durchsichtigen) Röhren (notfalls Schläuche) ein Stückchen hoch (Mit einer Spritze o. Ä., bloß ja nicht mit dem Mund, wenn schädliche oder ätzende Flüssigkeiten im Spiel sind !!!) und misst dann die Steighöhen von der jeweiligen Flüssigkeitsoberfläche aus, dann errechnet sich die Dichte folgendermaßen:

h(Fl): Steighöhe Flüssigkeit
h(Wa): Steighöhe Wasser

D(Fl) = D(Wa) * h(Wa) / h(Fl)

Ein Messfehler kann dabei durch die Kapillarkräfte entstehen. Vor allem bei dünnen Rohren steigen nämlich Flüssigkeit und Wasser auch ohne dass gesaugt wird, einige mm weit hoch. Nach der eigentlichen Messung (dann sind die Rohre innen gut benetzt) diese Steighöhen ebenfalls messen und von den "gesaugten" Steighöhen abziehen.

3. Wasser und Energie


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3.1 Energiegewinnung aus Wasser(kraft)

Mit Hilfe von Turbinen, Wasserrädern, Wassersäulenmaschinen u. Dgl. kann aus Wasser Energie gewonnen werden. In früheren Jahrhunderten wurde direkt die Antriebsenergie gewonnen (z.B. für Mühlen), heute gewinnt man meist elektrische Energie mit Hilfe eines angeschlossenen Generators.

Wie viel Energie sich aus einem vorhandenen Wasserangebot höchstens gewinnen lässt, hängt von 3 Faktoren ab:
g: Erdbeschleunigung, gemessen in m/s².
m: Wassermenge, gemessen in kg
Dh: Höhendifferenz zwischen Zu- und Ablauf, gemessen in m

Die Erdbeschleunigung ist überall auf der Erde ziemlich gleich und beträgt ca. 9,81 m/s².

Die höchstens aus Wasserkraft gewinnbare Energie (E, gemessen in J oder kWh) lässt sich folgendermaßen berechnen:

E(in J) = m(in kg) * g(in m/s²) * Dh(in m)

E(in kWh) = m(in kg) * g(in m/s²) * Dh(in m) / 3600000(J/kWh)

E(in kWh) = m(in t) * g(in m/s²) * Dh(in m) / 3600(kJ/kWh)

Mit modernen Turbinenanlagen lassen sich bis zu ca. 90% der höchstens gewinnbaren Energie tatsächlich als elektrische Energie gewinnen.

Beispiel: Von einem See, dessen Oberfläche 340 m über dem Meeresspiegel (= 340 m üNN) liegt, wird Wasser über eine Rohrleitung (1) in ein 260 m üNN liegendes Tal geleitet und dort durch eine Turbine in einen Fluss eingeleitet. Die Höhendifferenz Dh beträgt also 340 m - 260 m = 80 m.
Die Wassermenge, die täglich zur Stromerzeugung aus dem oberen See abgelassen werden kann, hängt davon ab, wieviel Wasser über Bäche und Flüsse täglich neu hinein gelangt. Für unser Beispiel nehmen wir an, es seien pro Tag 35000 m³. Da 1 m³ Wasser ungefähr 1 t Masse hat, rechnen wir im Folgenden mit 35000 t/Tag.
Die täglich gewinnbare Energie beträgt dann:

E = 35000 t/Tag * 9,81 m/s² * 80 m / 3600 kJ/kWh = 7630 kWh/Tag.

Bei einem Wirkungsgrad der Turbine von 85% wird aber nur ein Energiebetrag von

E(elektr.) = 7630 kWh/Tag * 85% / 100% = ca. 6490 kWh/Tag

tatsächlich gewonnen.

Da ein Tag 24 h hat, wird pro h eine Energie von

6490 kWh/Tag / 24 h/Tag = ca. 270 kWh/h

gewonnen.

Da 1 kWh/h = 1 kW ist, beträgt die Turbinenleistung folglich im Tagesmittel 270 kW.


(1): Es muss deshalb eine Rohrleitung sein, weil diese geschlossen ist und somit die Ausbildung einer Wassersäule ermöglicht. Dadurch ist die volle Höhendifferenz für die Entstehung des hydrostatischen Druckes vor der Turbine nutzbar. In offenen Rinnen dagegen würde ein Großteil der gespeicherten Energie verloren gehen, bevor das Wasser die Turbine erreicht.




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3.2 Energiebedarf für die Erwärmung von Wasser

Was passiert, wenn Wasser (Wärme-)Energie zugeführt wird? Beginnen wir mit sehr kaltem Wasser, z.B. mit einer Temperatur von -100 °C. Dieses ist natürlich nicht mehr flüssig, sondern liegt als festes Eis vor.

Mit zunehmender Energiezufuhr erwärmt sich das Eis langsam aber stetig. Um 1 kg Eis von -100 °C auf 0 °C zu erwärmen, werden etwa 170 kJ Energie benötigt. Das Wasser liegt aber immer noch in fester Form vor, als Eis. Nur, dass es jetzt nur noch 0 °C kalt ist.

Wenn man nun weiter Energie zuführt, erwärmt sich das Eis zunächst überhaupt nicht weiter, sondern es schmilzt. Je mehr Energie zugeführt wird, desto mehr Wasser und desto weniger Eis bekommen wir. Doch obwohl immer mehr Wärmeenergie hineingesteckt wird, steigt die Temperatur nicht um ein Grad. Sowohl das Eis als auch das Wasser haben eine Temperatur von 0 °C (2). Erst wenn das gesamte Eis geschmolzen ist, beginnt die Temperatur wieder zu steigen.

Um 1 kg Eis mit 0 °C zu 1 kg Wasser mit 0 °C zu schmelzen, benötigt man eine Energiemenge von 334 kJ. Das ist fast doppelt so viel wie für das Erwärmen von -100 °C auf 0 °C gebraucht wurde.

Mit weiterer Energiezufuhr erwärmt sich das Wasser, bis bei normalem Luftdruck die Siedetemperatur von 100 °C erreicht ist. Wie beim Schmelzen steigt auch hier die Temperatur so lange nicht mehr über 100 °C, bis das Wasser vollständig verdampft ist. Für die Verdampfung von 1 kg Wasser werden 2256 kJ Energie benötigt, weit mehr als für das Aufheizen des Eises von -100 °C auf 0 °C, das Schmelzen und das Aufheizen des Wassers auf 100 °C zusammen.

Wenn der entstandene Dampf nicht einfach in die Luft entweicht, sondern z.B. durch eine Rohrleitung abgeführt wird, kann durch weitere Wärmezufuhr seine Temperatur praktisch beliebig weit über 100 °C hinaus erhöht werden.


(2): Wenn schnell geheizt wird und überdies das Eis in Form weniger kompakter Stücke vorliegt, kann das Wasser durchaus eine erheblich höhere Temperatur als 0 °C aufweisen, weil die Wärmeenergie nicht beliebig schnell aus dem Wasser ins Eis gelangen kann. Unterbricht man die Wärmezufuhr für eine Weile, dann kühlt sich das Wasser aber wieder auf 0 °C ab, wobei eine entsprechende Menge Eis schmilzt.

Der Energiebetrag, der benötigt wird, um 1 kg einer bestimmten Substanz um 1 °C zu erwärmen, wird als die Wärmekapazität (auch: Spezifische Wärme) dieser Substanz bezeichnet. Die Wärmekapazität hängt vom Aggregatzustand der Substanz (fest, flüssig oder gasförmig) und auch etwas von ihrer Temperatur ab. In der Regel und auch beim Wasser ist die Wärmekapazität im flüssigen Zustand am größten.

Im Folgenden sind Wärmekapazitäten von Eis, Wasser und Dampf bei verschiedenen Temperaturen aufgelistet:

Temperatur Wärmekapazität
in °C in kJ/kg/°C
===========================
-100 1,38 (Eis)
- 60 1,64
- 32 1,86
- 25 1,93
- 15 2,00
-  5 2,06
-  2 2,10

 0   4,22 (Wasser)
10   4,19
20   4,18
40   4,18
60   4,18
70   4,19
80   4,20
90   4,21
100  4,22

110  2,01 (Dampf)
120  2,00
150  1,98
200  1,96
250  1,98
300  2,00
400  2,05
500  2,12

Wasser gehört zu den Stoffen mit den höchsten Wärmekapazitäten. Zum Vergleich die Wärmekapazitäten einiger anderer Stoffe bei üblichen Umgebungstemperaturen:

Material, Wärmekapazität
Substanz in kJ/kg/°C
===========================
Alkohol 2,46
Alkoholdampf 1,43
Eisen 0,45
Aluminium 0,90
Zink 0,39
Kupfer 0,39
Schwefel 0,74
Quecksilber 0,14
Eichenholz 2,4
Nadelholz 2,4
Papier 1,2
Sand, tr. 0,8
Glas 0,8
Gummi 1,4

4. Wasser und Lösevermögen


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Das Lösevermögen von Wasser ist je nach Stoff unterschiedlich. Vollkommen unlöslich in Wasser ist kein Stoff, aber es gibt viele Substanzen, die derart wenig löslich sind, dass sie in der Praxis als unlöslich betrachtet werden können. Andererseits sind eine Reihe von Flüssigkeiten mit Wasser in beliebigen Verhältnissen mischbar, z. B. Alkohol, Methanol, Essigsäure, Schwefelsäure, Glykol und Glycerin. Auch Gase lösen sich in Wasser. Ihre Löslichkeit steigt mit dem Druck und mit ihrer Konzentration in der Luft.

Die Löslichkeit aller Stoffe ist mehr oder weniger von der Temperatur abhängig. Bei gewöhnlichem Kochsalz (NaCl) z. B. ändert sie sich von 0 °C bis 100 °C nur sehr wenig. Dagegen löst sich Cäsiumaluminiumsulfat 86 mal besser bei 100 °C als bei 0 °C. Bei Gasen nimmt die Löslichkeit gewöhnlich mit der Temperatur ab, bei festen Stoffen nimmt sie dagegen meist zu. Eine Ausnahme ist z. B. das Calciumsulfat (Gips), das sich in kaltem Wasser besser löst als in heißem.

Beim Lösen eines Stoffes wird dessen Molekülverband zerstört und die Moleküle "schwimmen" voneinander losgelöst im Wasser herum. Säuren, Alkalien und Salze zerfallen zudem ganz oder teilweise in Ionen (jeweils positiv und negativ geladene). Beispiele:
Kochsalz (NaCl) zerfällt in Na(+) und Cl(-).
Schwefelsäure (H2SO4) zerfällt in H(+) und HSO4(-).
Das HSO4(-) zerfällt z. T. weiter in H(+) und SO4(2-).
Natriumhydroxid (NaOH) zerfällt in Na(+) und OH(-).
Auch Wasser selbst zerfällt zu einem ganz geringen Teil (0,00000018 %) in Ionen: in H(+) und OH(-).

Andere Stoffe, wie z. B. Zucker, zerfallen praktisch nicht in Ionen.

Wenn mehrere Stoffe gleichzeitig in Wasser gelöst werden sollen, dann beeinflussen diese sich mehr oder weniger gegenseitig in ihrer Löslichkeit. Besonders stark ist dieser Effekt bei verschiedenen Salzen, die eine gemeinsame Ionenart besitzen, z. B. Natriumchlorid und Kaliumchlorid (NaCl und KCl). Aus beiden entsteht beim Lösen in Wasser das Cl(-)-Ion. In einer Lösung, die KCl enthält, löst sich weniger NaCl als in reinem Wasser und umgekehrt.

Einige Beispiele für Löslichkeiten in Wasser bei verschiedenen Temperaturen in Gewichts-% (Eine Löslichkeit von 15 Gew.-% bedeutet, dass sich höchstens 15 g des Stoffes in 85 g Wasser lösen lassen (ergibt 100 g Lösung)):

Stoff Löslichkeit in Gew.-%
20 °C    80 °C
=======================================
Kochsalz        26,5    27,5 (Natriumchlorid)
Kaliumchlorid   25,5    33,6
Ammoniumchlorid 27,0    40,0 ("Salmiak")
Kaliumsulfat    10,0    17,5
Calciumsulfat    0,199   0,10
Calciumhydroxid  0,17    0,087
Calciumcarbonat  0,0015  0,002 (100 °C)
Zinkchlorid     78,7    84,5


Löst man die maximal lösliche Menge Kaliumchlorid bei 80 °C in Wasser und lässt die Lösung abkühlen, dann verringert sich die Löslichkeit und der nicht mehr lösliche Anteil an Kaliumchlorid kristallisiert wieder aus.


Salzlösungen haben gewöhnlich höhere Dichten als reines Wasser. Am Beispiel Natriumchlorid bei 20 °C:

Konz.(Gew.-%) Dichte(kg/m³)
============================
0           998
2          1013
4          1027
6          1041
10          1071
20          1148
25          1189


Bei Gasen ist die Löslichkeit von Temperatur und Druck abhängig. Die folgende Tabelle zeigt die Löslichkeiten von reinem Sauerstoff, reinem Stickstoff und reinem CO2 in g Gas / kg Wasser bei 1 bar Druck:

Temp(°C)Sauerstoff  Stickstoff CO2
==========================================
0         0,0676      0,0281    3,26
10        0,0526      0,0226 2,28
20        0,0428      0,0190 1,67
30        0,0364      0,0166 1,28
50        0,0291      0,0137    0,82
70        0,0258      0,0129    0,59
90        0,0246      0,0125 ----

Aus Luft, die ja nur ca. 21% Sauerstoff enthält, löst sich bei 1 bar Druck nur bis zu ca. 21% der jeweils angegebenen Menge, bei 20 °C z. B. sind es 0,00899 g in 1 kg Wasser.

Die Löslichkeit von CO2 ist stark vom pH-Wert abhängig. Dieser wiederum wird durch eine große Zahl von Stoffen beeinflusst, wenn diese im Wasser gelöst sind.

5. Wasser, Lösungen und der pH-Wert


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Der pH-Wert ist ein (logarithmisches) Maß für die Konzentration von Wasserstoffionen in einer wäßrigen Lösung. Seine Berechnung ist nicht ganz so einfach. Man benötigt hierfür eine besondere Maßeinheit, das Mol. 1 Mol bedeutet 602300000000000000000000 Teilchen, z. B. Wassermoleküle, Natriumionen oder auch Wasserstoffionen (H(+)). Trotz der gewaltigen Zahl ist ein Mol meist eine Menge von weniger als 1 kg. Das liegt daran, dass Atome und Moleküle so unvorstellbar klein und leicht sind.

Der Chemiker rechnet deshalb gern in Mol, weil bei chemischen Reaktionen immer jeweils eine bestimmte Anzahl der beteiligten Molekülsorten benötigt wird. Bei der Bildung von Wasser aus Wasserstoff und Sauerstoff z. B. reagieren immer 2 Wasserstoffmoleküle und 1 Sauerstoffmolekül miteinander zu 2 Wassermolekülen:

2 H2 + 1 O2 = 2 H2O

Wenn man das Ganze 602300000000000000000000 mal macht, reagieren dann 2 Mol H2 mit 1 Mol O2 zu 2 Mol H2O. Am Ende muss man allerdings doch wieder in Gewichtseinheiten umrechnen, dazu muss man nur wissen, wieviel ein Mol von welcher Atomsorte wiegt. Da es nur etwa 110 Atomsorten gibt (der größte Teil davon spielt nur in ganz speziellen Fällen eine Rolle), ist das leichter als es aussieht. Beispiele:

1 Mol = 602300000000000000000000 Atome wiegen:
Wasserstoff (H): ca. 1 g
Sauerstoff (O): ca. 16 g
Stickstoff (N): ca. 14 g
Kohlenstoff (C): ca. 12 g
Natrium (Na): ca. 23 g
Kalium (K): ca. 39 g
Chlor (Cl): ca. 35,5 g
Schwefel (S): ca. 32 g

Demnach wiegt 1 Mol CO2-Moleküle (Jedes von ihnen besteht aus 1 C-Atom und 2 O-Atomen):

1 Mol C = 12 g
+ 2 Mol O = 32 g
------------------
1 Mol CO2 = 44 g
==================

1 Mol Wasserstoff-Ionen (= H(+)) wiegen 1 g.

In reinem Wasser sind immer gerade so viele Wassermoleküle in H(+) und OH(-) zerfallen, dass die Konzentration von H(+) ungefähr 1/10000000 Mol/l beträgt. Das sind, anders ausgedrückt, 1/10^7 Mol/l oder 10^-7 Mol/l. Der Zehnerlogarithmus von 10^-7 ist = -7. Der pH-Wert wiederum ist der negative Zehnerlogarithmus der H(+)-Konzentration in Mol/l und damit -(-7) = 7. In reinem Wasser ist der pH-Wert = 7.

In Wasser gelöste Säuren oder saure Salze zerfallen meist viel stärker als Wasser und geben deshalb viele zusätzliche H(+)-Ionen ab, was deren Konzentration im Wasser erhöht.

Beispiel: Salzsäure (HCl) zerfällt in Wasser praktisch vollständig in seine Ionen:

HCl = H(+) + Cl(-).

Aus 1 Mol HCl entsteht also 1 Mol H(+). 0,1 Mol HCl, in 1 l Wasser gelöst, erzeugt demnach 0,1 Mol H(+). Wie hoch ist der pH? Ganz einfach:

1. Zehnerlogarithmus bilden: Log(0,1) = -1

2. Vorzeichen umkehren ("negativieren"): -(-1) = 1

Der pH-Wert einer "0,1-Molaren" Salzsäure ist 1.

Nun kann man noch die Konzentration der Salzsäure in die üblicheren Masseneinheiten umrechnen:

1 Mol HCl = 1 g + 35,5 g = 36,5 g

0,1 Mol HCl = 3,65 g

0,1 Mol/l = 3,65 g/l



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Substanzen, die beim Zerfall in Ionen nicht H(+)- sondern OH(-)-Ionen abgeben ("Basen"), beeinflussen den pH-Wert indirekt. Die OH(-)-Ionen reagieren nämlich mit H(+)-Ionen wieder zu Wasser (H2O) und senken dadurch die H(+)-Konzentration. Das Ganze geschieht in dem Maße, dass das Produkt aus H(+)- und OH(-)-Konzentration in Wasser immer = 1/100000000000000 Mol²/l² beträgt, also 10^-14 Mol²/l². Wenn also 0,1 Mol NaOH in Wasser gelöst wird, zerfällt es praktisch vollständig in Na(+) und OH(-). Die OH(-)-Konzentration ist dann = 0,1 Mol/l und die H(+)-Konzentration folglich = 10^-13 Mol/l und der pH = 13.

Bei "schwachen" Säuren und Basen, die nur zum Teil in Ionen zerfallen, muss der so genannte "Dissoziationsgrad" berücksichtigt werden. Ihr Einfluss auf den pH ist deutlich geringer als der von starken Säuren bzw. Basen.

Soll der pH-Wert von 1 l reinem Wasser mit Salzsäure herabgesetzt werden, so werden folgende Mengen Salzsäure benötigt (In der Praxis muss aber beachtet werden, dass Salzsäure niemals reine HCl ist, sondern eine Lösung von HCl (HCl ist ein Gas!) in Wasser in einer Konzentration bis zu ca. 36%):

pH-Herabsetzung Mol HCl = g HCl = g 25%ige Salzsäure
=====================================================
Von 7 auf 5 0,00001 0,000365 0,00146
Von 7 auf 3 0,001 0,0365 0,146
Von 7 auf 1 0,1 3,65 14,6

Im pH-Bereich um 7 herum können also schon geringste Säurezugaben zu starken pH-Änderungen führen. Deshalb ist es äußerst schwierig, durch Dosierung von Salzsäure reines Wasser z.B. auf einen pH von 6 bringen zu wollen.

Genau genommen müssen bei einer pH-Berechnung auch die auf den Zerfall des Wassers entstandenen sehr geringen Mengen H(+)-Ionen mit berücksichtigt werden. In den meisten Fällen können diese aber vernachlässigt werden, weil die Säure- bzw. Basenmenge viel größer ist.

In Wasser, das gelöste Salze enthält, muss außerdem eine evtl. vorhandene "Pufferwirkung" berücksichtigt werden. Ist nämlich im Wasser bereits das Salz einer schwachen Säure gelöst (z.B. ein Carbonat, Acetat oder Phosphat), dann reagiert die zugesetzte (starke) Säure mit dem Salz der schwachen Säure: Die starke Säure wird verbraucht, wobei die schwache Säure entsteht. Diese erzeugt aber nur relativ wenige H(+)-Ionen, so dass sich der pH kaum ändert. Analog verhält es sich mit den Salzen schwacher Basen (z.B. Ammoniumsalze) und zugesetzten starken Basen.

Da in Leitungswasser, Quellwasser, Fluss- und Meerwasser fast immer nennenswerte Mengen an Carbonaten und z.T. auch Phosphaten enthalten sind, ist eine Berechnung der für eine pH-Einstellung auf einen bestimmten Wert benötigten Säure- oder Basenmenge aus dem gemessenen pH allein nicht möglich. Liegt eine genaue Wasseranalyse vor, ist die Berechnung der benötigten Säure- bzw. Basenmenge immer noch keine einfache Angelegenheit.

Mehr zum pH-Wert und seiner Berechnung für Lösungen von Säuren, Basen und Salzen: http://www.wissenschaft-technik-ethik.de/wasser_pH.html

6. Wasser und Dampfdruck


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6.1 Entstehung des Dampfdrucks

Wasser kann in den 3 Aggregatzuständen fest, flüssig und gasförmig auftreten. Im festen Zustand haben sich die Wassermoleküle zu einem Kristallgitter zusammengelagert, in dem jedes Wassermolekül seinen festen Platz hat. Es kann zwar noch an seinem Platz herumzittern, ihn aber nicht so ohne Weiteres verlassen. Da sich die Moleküle nicht aneinander vorbei bewegen können, behält ein Eisstück seine Form bei. Im flüssigen Zustand dagegen sind die Moleküle zwar noch durch ihre Anziehungskräfte zu einer zusammenhängenden Masse miteinander verbunden, haben jedoch ihr Kristallgitter weitgehend aufgelöst. Sie können sich zwar nicht voneinander weg, wohl aber leicht aneinander vorbei bewegen, so dass flüssiges Wasser keine eigene Form besitzt: Es passt sich statt dessen dem Gefäß an, in dem es sich gerade befindet. Im gasförmigen Zustand haben die Wassermoleküle ihre gegenseitigen Anziehungskräfte überwunden und flitzen im Prinzip frei in der Gegend umher. Dabei stoßen sie dauernd mit anderen Gasmolekülen zusammen. In reinem Wasserdampf können das natürlich nur weitere Wassermoleküle sein, ansonsten auch andere vorhandene Gasmoleküle. Die zusammenstoßenden Moleküle prallen dabei voneinander ab, so dass jedes Molekül in einer Gasphase sich in einem wilden Zickzackkurs herumbewegt.

Die Energie der Moleküle im Wasser (wie heftig oder schnell sie sich bewegen) ist sehr unterschiedlich. Moleküle, die eine bestimmte Mindestenergie überschreiten und sich gerade an der Oberfläche befinden, können dank ihres "Schwungs" die Anziehungskräfte zu ihren Nachbarmolekülen überwinden, sich quasi von ihnen "losreißen" und das flüssige Wasser verlassen. Je höher die Temperatur ist, desto mehr Wassermoleküle besitzen diese Mindestenergie und desto mehr verlassen in jeder Sekunde das flüssige Wasser. Umgekehrt können aber auch Wassermoleküle, die sich gerade im Gasraum befinden, wieder in die Wasseroberfläche eintauchen. Je mehr von ihnen sich im Gasraum befinden, desto mehr tauchen pro Sekunde wieder in das flüssige Wasser ein.

Das Gleichgewicht ist dann erreicht, wenn in jeder Sekunde genauso viele Wassermoleküle wieder eintauchen wie aus dem Wasser herauskommen.

Eine Temperaturerhöhung hat zur Folge:
Mehr Wassermoleküle pro Sekunde verlassen das flüssige Wasser. Dadurch erhöht sich die Menge der Wassermoleküle im Gasraum und damit die Anzahl derer, die pro Sekunde wieder eintauchen, bis wieder das Gleichgewicht erreicht ist. Im Gleichgewicht befinden sich nun mehr Wassermoleküle in einem cm³ Gasraum als im Gleichgewicht bei der niedrigeren Temperatur.

Der Druck in einem Gas hängt von der Anzahl der Gasmoleküle pro cm³ und von deren Energie ab. Deshalb ist der von den Wassermolekülen ausgeübte Druck bei höherer Temperatur größer als bei niedrigerer Temperatur.

Der Dampfdruck einer Substanz lässt sich direkt messen, wenn diese in ein gasdichtes Gefäß hinein gegeben wird und dann mit einer Vakuumpumpe die Luft entfernt wird. Der Druck, der sich im Gasraum in der Flasche bei der jeweiligen Temperatur einstellt, ist der Dampfdruck. Er kann, wenn er nicht zu gering ist, mit einem Manometer gemessen werden.

Wird warmes Wasser in eine Flasche gegeben, diese dicht verschlossen und dann geschüttelt, dann bildet sich rasch das Dampfdruck-Gleichgewicht aus. Der Dampfdruck des Wassers addiert sich zum Druck der Luft, die ja bereits vorher in der Flasche war, so dass der Druck in der Flasche um den Betrag des Dampfdrucks steigt. Der höhere Druck äußert sich darin, dass beim Öffnen der Flasche etwas von dem Luft-Wasserdampf-Gemisch herauszischt. Wenn wieder verschlossen und geschüttelt wird, zischt es beim zweiten Mal kaum noch. Denn nun befindet sich ja weniger Luft in der Flasche und die Teildrücke von Luft und Wasserdampf ergeben, wenn man sie addiert, gemeinsam den Umgebungsdruck.

Eine ähnliche Beobachtung macht man an einem frisch befüllten Benzinkanister. Verschlossen und geschüttelt, bläht er sich durch den (relativ hohen) Dampfdruck des Benzins etwas auf und beim Öffnen entweicht hörbar etwas Benzindampf-Luft-Gemisch. (Ohne Schütteln passiert das Ganze auch, es dauert nur länger, weil sich das Gleichgewicht viel langsamer einstellt.)


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6.2 Dampfdruck und Sieden

Wenn der Druck des Dampfes, der versucht, eine Dampfblase auszudehnen, größer ist als der Umgebungsdruck (Luftdruck), der versucht, die Dampfblase zusammenzudrücken, dann können sich Dampfblasen überhaupt erst bilden und dann beginnt das Wasser zu sieden. Bei einem Luftdruck von 1013 mbar siedet Wasser deshalb bei 100 °C, weil sein Dampfdruck bei dieser Temperatur 1013 mbar beträgt. Bei niedrigerem Luftdruck siedet Wasser folglich bei niedrigerer Temperatur, weil dann der für eine Blasenbildung notwendige Dampfdruck ebenfalls niedriger ist.

Alles, was bezüglich des Dampfdrucks für das flüssige Wasser gilt, gilt auch für das Eis. Auch Eis hat einen Dampfdruck!

Dampfdrücke von Eis und Wasser in mbar

Temp   .(°C) Dampfdruck(mbar)  
-20
-15
-10
-5
0
1,03
1,65
2,60
4,02
6,10
Eis

0
5
10
15
20
25
30
35
40
50
60
70
80
90
97,92
98,21
98,50
98,79
99,07
99,36
99,64
99,92
100,00
100,20
100,74
101,28
110
120
130
150
200
250
300
350
374,12

6,10
8,7
12,3
17,0
23,4
31,7
42,4
56,2
73,7
123
199
311
473
701
940
950
960
970
980
990
1000
1010
1013
1020
1040
1060
1433
1985
2,70  bar
4,76  bar
15,54 bar
39,7  bar
85,8  bar
165   bar
221,2 bar   kritischer Punkt
Wasser

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Mit zunehmender Temperatur nähern sich die Eigenschaften von flüssigem und gasförmigem Wasser immer mehr aneinander an. Bei 374,12 °C ("kritische Temperatur") haben sich die Eigenschaften vollkommen aneinander angeglichen, so dass es keinerlei Unterschied mehr zwischen flüssigem und gasförmigem Wasser gibt. Folglich kann oberhalb dieser Temperatur weder ein Sieden noch ein Kondensieren stattfinden.

Aus den Dampfdruckdaten ist ersichtlich, wieviel Druck mindestens erforderlich ist, um Wasserdampf bei einer gegebenen Temperatur zu verflüssigen (zu kondensieren) oder umgekehrt, bei welcher Temperatur Wasser bei einem gegebenen Druck siedet



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6.3 Dampfdruckformel:

Die häufig zitierte Clausius-Clapeyron'sche Gleichung ist eine theoretisch abgeleitete Gleichung, die nicht alle Einflüsse erfasst, und führt in der Praxis nicht zu wirklich brauchbaren Ergebnissen.

Da die Temperatur-Dampfdruck-Kurve sehr nichtlinear verläuft, sollten Interpolationen und erst recht Extrapolationen mit folgender Gleichung erfolgen, die auf der Clausius-Clapeyron'schen Gleichung basiert:

Log(p) = K1 + K2 * 1 / T

p: Dampfdruck
Log(p): Logarithmus des Dampfdrucks
T: Absolute Temperatur
K1, K2: Konstanten

T(in K) = Temperatur(in °C) + 273,15
Temperatur(in °C) = T(in K) - 273,15

So wird's gemacht:

Die 2 bekannten Wertepaare (p1; T1) und (p2; T2) werden in die Gleichung eingesetzt. Man erhält 2 Gleichungen mit K1 und K2 als die 2 Unbekannten und muss diese daraus berechnen.

Mit den berechneten K1 und K2, in die Gleichung eingesetzt, lassen sich nun die p-Werte für alle T-Werte zwischen T1 und T2 berechnen (Interpolation) und auch ein Wenig darüber hinaus (Extrapolation).

Wer Probleme damit hat, 2 Gleichungen mit 2 Unbekannten zu lösen, sollte eigentlich erstmal das lernen und sich dann um Dampfdruckformeln kümmern. Als Kontrolle für diejenigen, die es immerhin mal versuchen, hier die berechneten Konstanten für die Wertepaare (20°C; 23,4mbar) und (40°C; 73,7mbar):

K1 = 9,17059
K2 = -2286,97

und ein Vergleich der daraus errechneten Dampfdruckwerte mit den tatsächlichen Werten:

Temp.(°C) Dampfdruck(mbar)
berechnet gemessen
==================================
20         23,40     23,4
25         31,63     31,7
30         42,32     42,4
35         56,10     56,21
40         73,70     73,7
50        124       123
60        202       199
70        321       311

(Man sieht spätestens an den 70°C-Werten, dass man es mit dem Extrapolieren nicht übertreiben sollte.)


Eine Excel-Tabelle, mit der Dampfdrücke auf diese Weise sehr leicht interpoliert und extrapoliert werden können (enthält auch eine umfangreiche Dampfdrucktabelle für Eis und Wasser) steht zum Download zur Verfügung unter:

http://www.wissenschaft-technik-ethik.de/Download/DampfdruckInterpolation.xls

7. Verschiedenes zum Wasser

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7.1 Meerwasser (Ozeane, nicht Ostsee etc.)

Dichte: 1025 kg/m³

Gelöste Inhaltsstoffe:

Kationenbildner:

Na 10,5 g/l
K 380 mg/l
Mg 1,35 g/l
Ca 400 mg/l
Sr 8,1 mg/l

Li 0,18 mg/l
Rb 0,12 mg/l
Ba 0,03 mg/l
Al 0,01 mg/l
Fe 0,01 mg/l

In < 0,02 mg/l
Mo 0,01 mg/l
Zn 0,01 mg/l
Ni 5,4 yg/l
As 3 yg/l

Cu 3 yg/l
Sn 3 yg/l
U 3 yg/l
Mn 2 yg/l
V 2 yg/l

Ti 1 yg/l
Cs 0,5 yg/l
Ce 0,4 yg/l
Sb 0,33 yg/l
Ag 0,3 yg/l

Y 0,3 yg/l
Co 0,27 yg/l
Cd 0,11 yg/l
W 0,1 yg/l
Ge 70 ng/l

Cr 50 ng/l
Th 50 ng/l
Ga 30 ng/l
Hg 30 ng/l
Pb 30 ng/l

Zr 22 ng/l
Bi 17 ng/l
La 12 ng/l
Au 11 ng/l
Nb 10 ng/l

Tl < 10 ng/l
Hf < 8 ng/l
Ta < 2,5 ng/l
Be 0,6 ng/l

Anionenbildner:

Cl 19 g/l
S 885 mg/l
C 28 mg/l
Br 65 mg/l
F 1,3 mg/l

Si 3 mg/l
N 0,5 mg/l
P 70 yg/l
J 60 yg/l
Se 0,09 yg/l

Nichtionische Stoffe:

Ar 0,6 mg/l
Kr 2,5 yg/l
Ne 0,14 yg/l
Xe 52 ng/l

mg = Milligramm = 1/1.000 g
yg = Mikrogramm = 1/1.000.000 g
ng = Nanogramm = 1/1.000.000.000 g

Insgesamt sind das ca. 35 g gelöste Salze / l bzw. die Salzkonzentration im Meerwasser beträgt ca. 3,5 Gewichts-%.

Quelle: Weast, Handbook of Chem. and Phys., 64th Ed., CRC-Press

8. Wasser und seine Phänomene



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8.1 Die Farbe der Gewässer

Die Farbe eines Gewässers ist im Wesentlichen eine Folge von Lichtstreuung und -reflexion.

Seen mit ausreichender Tiefe und sehr sauberem Wasser erscheinen deshalb so schön blau, weil das ins Wasser einfallende Licht je nach Wellenlänge an den Wassermolekülen gestreut oder vom Wasser absorbiert wird. Je kürzer die Wellenlänge, desto stärker ist die Streuung. Deshalb wird vor Allem das blaue und violette Licht gestreut und tritt z.T. wieder aus dem Wasser aus, was ihm die blaue Farbe verleiht.

Bergseen, weite Teile der Ozeane, aber auch Schwimmbäder sind meist einigermaßen tief und enthalten sehr sauberes Wasser, so dass sie dem entsprechend blau erscheinen. Dagegen sind viele Binnengewässer in flacheren Regionen durch organische Substanzen (Huminstoffe) ganz leicht braun gefärbt, absorbieren deshalb den Großteil des blauen Streulichts und erscheinen demzufolge weniger oder gar nicht blau.

In flachen Gewässern wird nur wenig Licht absorbiert und gestreut, statt dessen wird ein erheblicher Anteil vom Grund des Gewässers reflektiert, insbesondere wenn es sich um einen hellen (Sand-)Grund handelt. Das blaue Streulicht hat dabei nur einen geringen Anteil und fällt daher bei der Farbwahrnehmung praktisch nicht ins Gewicht.

Enthält ein Gewässer aufgewirbelten Schlamm, Algen etc., dann wird das einfallende Licht z.T. von den schwebenden Partikeln reflektiert. Da grüne Algen vor Allem den grünen Lichtanteil reflektieren, verleihen sie so dem Gewässer einen mehr oder weniger deutlichen Grünstich. Schlamm und abgestorbene Algen dagegen färben ein Gewässer eher schmutzigbraun. In einigen Seen in Island, meist in der Nähe von heißen Quellen, geben im Wasser lebende Kieselalgen dem See eine wunderschöne hellblaue Farbe (z.B. der bekannten "Blauen Lagune"). In einigen Meeresregionen kann das Meerwasser durch bestimmte Algensorten zeitweilig gar rot gefärbt sein.

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8.2 Trinkbarkeit von entmineralisiertem Wasser ("Destwasser")

Immer wieder stößt man auf die schier unausrottbare Behauptung, durch das Trinken von destilliertem bzw. entmineralisiertem Wasser würde der Körper "ausgelaugt" und der Mineralstoffverlust hätte schwere körperliche Schäden, wenn nicht gar den Tod, zur Folge. Diese Vorstellung hat hierzulande sogar zu einem Gesetz geführt, das zwischen Trinkwassernetz und Wasserentmineralisierungsanlagen ein Trennventil (Rückschlagventil genügt nicht!!!) vorschreibt, um ein eventuelles Eindringen von entmineralisiertem Wasser in das Trinkwassernetz mit Sicherheit auszuschließen .

Doch wie verhält es sich tatsächlich?

Der Körper muss, um nicht immer schwerer zu werden oder langsam auszutrocknen, im zeitlichen Mittel das gesamte (durch Getränke und Nahrung) aufgenommene (und auch das durch chemische Reaktionen im Körper entstandene) Wasser wieder ausscheiden. Ein Teil des Wassers verdunstet in den Atemwegen und in der Lunge, ein weiterer Teil wird als Schweiß über die Haut abgegeben und verdunstet dort. Der Rest wird über den Harn ausgeschieden.

Wie viel Wasser in den Atemwegen verdunstet wird, hängt im Wesentlichen vom Luftverbrauch (erhöht z.B. bei körperlicher Anstrengung) und von der absoluten Luftfeuchte (im Winter geringer) ab.

Die mit dem Schweiß abgesonderte Wassermenge hängt hauptsächlich ab von der Temperatur, der Luftbewegung, der Bekleidung und der körperlichen Anstrengung: Je schlechter die Luft die Wärme abführen kann (schlecht, wenn warm, windstill, gut isolierende Kleidung), desto mehr muss durch Verdunstung gekühlt werden und eine erhöhte Wärmeentwicklung erfordert natürlich eine entsprechend höhere Kühlleistung.

Die mit dem Urin ausgeschiedene Wassermenge ist im Normalfall das, was nach Atmen und Schwitzen als Überschuss verbleibt. Da mit dem Urin jedoch auch verschiedene Abfallstoffe (Harnstoff, Kreatinin etc.) und ggfs. auch überschüssige Salze ausgeschieden werden müssen, wird im Laufe des Tages immer eine gewisse Mindestmenge Urin produziert.

Werden dem Körper eine längere Zeit lang keinerlei Mineralstoffe zugeführt (z.B. wenn jemand Tage lang nichts als Destwasser zu sich nimmt), dann wird der Körper die Konzentration an Mineralstoffen in Schweiß und Urin so gering wie möglich halten, um den Mineralstoffverlust zu begrenzen. Da er nicht in der Lage ist, diese Konzentrationen ganz auf Null abzusenken, ist ein gewisser Mineralstoffverlust nicht zu vermeiden. Dieser Mindest-Mineralstoffverlust wird natürlich mit steigender Wasserzufuhr größer werden. Je nach den äußeren Gegebenheiten wird sich dann früher oder später der wachsende Mineralstoffmangel in körperlichen Symptomen bemerkbar machen.

Dasselbe gilt aber auch für Trinkwasser und Mineralwasser. Auch diese können (abgesehen von Wässern, die besonders hohe Konzentrationen jedes einzelnen der vom Menschen benötigten Mineralstoffe enthalten) allein den Mineralstoffverlust nicht ausgleichen. Die in Trink- und Mineralwasser enthaltenen Mineralstoffmengen sind allerdings besser als gar nichts: Das bedeutet, dass beim (ausschließlichen) Zu-sich-nehmen von Wasser die befürchteten Mineralstoff-Mangelsymptome natürlich um so eher auftreten werden, je weniger Mineralstoffe das betreffende Wasser enthält. Destwasser wäre in diesem Fall also tatsächlich die schlechteste Wahl (ganz dicht gefolgt von gewissen Skandinavischen "Mineralwässern", deren Mineralstoffgehalte selbst bei Na und K weit unter 1 mg/l (!) liegen).

Alle diese Überlegungen sind jedoch gegenstandslos, wenn neben Wasser auch andere (mineralstoffhaltige) Nahrung aufgenommen wird. In diesem Fall werden dem Körper bei halbwegs normaler Ernährung so viel Mineralstoffe zugeführt, dass nicht nur die Mindest-Verluste ausgeglichen werden können, sondern darüber hinaus weitere (überschüssige) Mineralstoffe zusätzlich ausgeschieden werden. Im Normalfall ist es also ziemlich unerheblich, ob ein mineralstoffreiches Wasser oder Destwasser (oder Milch, Saft, ...) getrunken wird.

Wird übrigens aus Destwasser Kaffee oder Tee zubereitet, dann enthält das Gebräu anschließend einen erheblichen Teil der im Tee bzw. Kaffeepulver enthaltenen löslichen Mineralstoffe, da diese natürlich mit extrahiert werden.

Da der Mindest-Mineralstoffverlust mit der Trinkmenge ansteigt, sollte man es mit dem Trinken allerdings auch nicht übertreiben. Mehr als 2 bis 3 Liter täglich müssen nur bei bestimmten Krankheiten, Ausnahme- und Extremsituationen oder entsprechender körperlicher Belastung getrunken werden.

Übrigens wird nicht nur die Wasserabgabe, sondern auch die Wasserzufuhr vom Körper geregelt. Dies geschieht indirekt dadurch, dass bei Wasserbedarf im Gehirn ein Durstgefühl erzeugt wird, das den Menschen dazu veranlasst, nach Möglichkeit etwas zu trinken. Ist der Wasserbedarf gedeckt, verschwindet das Durstgefühl wieder.

Es ist also normalerweise nicht erforderlich, "bewusst" zu trinken. Bei älteren Menschen funktioniert jedoch, wie so vieles Andere, die Steuerung über das Durstgefühl häufig nicht mehr so gut. In diesen Fällen sollte auf eine auseichende Trinkmenge geachtet werden. (Andererseits ist es wohl auch kaum sinnvoll, das Durstgefühl gewohnheitsmäßig zu unterdrücken, bloß um aus Bequemlichkeit die Toilette weniger häufig aufsuchen zu müssen.)

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8.3 "Anorganische" und "organische" Mineralstoffe

Zur Zeit hört und liest man des Öfteren die Behauptung, dass Mineralstoffe nur "in organischer Form" (in Nahrungsmitteln) für den Körper verwertbar seien. Die im Wasser enthaltenen "anorganischen" Mineralien dagegen könnten vom Körper nicht verwertet werden, "weil sie Zellwände nicht durchdringen können" und würden deshalb "im Körper Ablagerungen bilden" ("Adernverkalkung", "Nieren- und Gallensteine" etc.).

Dahinter steckt offenbar die (längst überholte) Vorstellung, es gäbe einen prinzipiellen Unterschied zwischen organischen und anorganischen Stoffen. Tatsächlich wird die Einteilung in anorganische und organische Stoffe lediglich aus formalen Gründen beibehalten. Irgendeine naturwissenschaftliche Bedeutung hat sie nicht(!)

Die Aufnahme von Mineralstoffen durch den Körper soll im Folgenden am Beispiel des Elements Calcium (chem. Zeichen: Ca) erläutert werden.

Calcium kann dem Körper in Form verschiedener Calciumsalze zugeführt werden. Es gibt sowohl anorganische (sprich: als "anorganisch" klassifizierte) Ca-Salze als auch organische.

Anorganische Ca-Salze sind z.B.:

Calciumchlorid ( CaCl2 ) ( Ca-Salz der Salzsäure )
Calciumcarbonat ( CaCO3 ) ( "Kalk" ) ( Ca-Salz der Kohlensäure )
Calciumhydrogencarbonat ( Ca(HCO3)2 ) ( "saures" Ca-Salz der Kohlensäure )
Calciumsulfat ( CaSO4 ) ( "Gips" ) ( Ca-Salz der Schwefelsäure )

Organische Ca-Salze (Ca-Salze organischer Säuren) sind z.B.:

Calciumacetat ( Ca(C2H3O2)2 ) ( Ca-Salz der Essigsäure )
Calciumoxalat ( CaC2O4 ) ( Ca-Salz der Oxalsäure )
Calciumformiat ( Ca(CHO2)2 ) ( Ca-Salz der Ameisensäure )

Um vom Körper aufgenommen werden zu können, muss das Calcium in gelöster Form in den Darm gelangen. Beim Lösen eines Kristalls eines Ca-Salzes zerfällt dieses in Ca++ -Ionen und in eine entsprechende Anzahl Säureanionen (in den Beispielen sind dies 2 Cl-, 2 HCO3-, 1 SO4--, 2 C2H3O2-, 1 C2O4-- bzw. 2 CHO2-).

Wenn der Zerfall in die Ionen erst einmal stattgefunden hat, kann anschließend nicht mehr festgestellt werden, mit welchem der gelösten Säureanionen ein bestimmtes Ca++ -Ion einst "verbandelt" war (auch der Körper kann es nicht und selbst wenn er es könnte: Warum in aller Welt sollte er ein Ca++, das aus CaCl2 stammt, verschmähen und ein genau identisches Ca++, das aus Ca(C2H3O2)2 stammt, verwerten?).

Es gibt aber in der Tat auch Ca-Salze, die vom Körper nicht verwertet werden können. Das hat jedoch nicht das Geringste mit anorganisch oder organisch zu tun, sondern es ist einfach eine Frage der Löslichkeit: Schwer lösliche (d.h. beinahe unlösliche) Ca-Salze können deswegen nicht die Darmwand passieren, weil sie in Form ganzer Kristalle vorliegen, die in jedem Fall zu groß sind um durch Zellwände hindurch geschleust zu werden.

Von den oben genannten Beispielen sind das Chlorid, Hydrogencarbonat, Sulfat, Acetat und Formiat ausreichend löslich, um ohne Weiteres verwertet werden zu können. Das Carbonat (auch das Hydrogencarbonat) reagiert mit der Magensäure zu leicht löslichem Calciumchlorid und Kohlendioxid (das wieder "ausgerülpst" wird).

Probleme macht unter den Beispielsalzen lediglich das Oxalat: Calciumoxalat ist schwer löslich. Es wird zwar von der starken Magensäure zunächst auch gelöst, kristallisiert aber im Darm, in dem zuallererst die vom Mageninhalt mitgeführte Magensäure wieder neutralisiert wird, gleich wieder aus. Es ist in diesem Fall also gerade ein "organisches" Calciumsalz, das vom Körper nicht aufgenommen werden kann.

Im Übrigen entlarvt sich die o.g. Behauptung bei näherer Betrachtung von selbst. Um im Körper irgendwelche Ablagerungen oder gar Steine zu bilden, müssten die zitierten "anorganischen" Mineralstoffe ja erst einmal in den Körper hinein gelangen. Doch wie sollen sie das anstellen, wo sie doch angeblich nicht in der Lage sind, lebende Zellwände zu durchdringen? Da die Darmwand auch nur aus lebenden Zellen besteht, können Stoffe, die solche nicht passieren können, logischerweise auch da nicht hindurch.

Im Übrigen lagert sich zwar tatsächlich mit den Jahren etwas "Kalk" (Calciumverbindungen) in den Wänden der Blutgefäße ab, diese sind jedoch nach dem heutigen medizinischen Kenntnisstand bedeutungslos. Die gefährlichen Ablagerungen (Plaques) innerhalb der Blutgefäße bestehen hauptsächlich aus Cholesterin (einem "organischen" Stoff). Auch Nieren- und Blasensteine bestehen zu einem erheblichen Teil aus organischem Material.

Der Sinn der ganzen Märchengeschichte ist es offensichtlich, durch Erzeugung von Angst vor den "bösen" anorganischen Mineralstoffen im Trinkwasser, immer mehr Menschen dazu zu bewegen, teure und für sie nutzlose Trinkwasser-Entmineralisierungsanlagen anzuschaffen. Der verbreitete Wahn, organisch = gut, anorganisch = schlecht kommt den betreffenden Geschäftemachern dabei natürlich sehr gelegen.


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Quellen:

D'Ans-Lax: Taschenbuch für Chemiker und Physiker, Band 1: Makroskopische chem.-physikal. Eigenschaften, Springer-Verlag, 3. Auflage, 1967

Weast, Handbook of Chemistry and Physics, 64th Edition, 1983-1984, CRC Press Inc., Boca Raton, Florida

Meyer/Schiffner, Technische Thermodynamik, VEB Fachbuchverlag, Leipzig

 

 

 

 
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