Pastis wird milchig



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Weshalb wird Pastis milchig?

Quelle: http://www2.t-online.ch/c/21/42/28/2142286.html

Die Franzosen lieben ihren Pastis als Aperitif, sei er von Pernod, Ricard oder sonst wem. Auch andere Mittelmeerländer haben ihren traditionellen Anis-Schnaps: Ouzo in Griechenland, Raki in der Türkei, Sambuca in Italien. Diese hochprozentigen Schnäpse - die eigentlich Liköre sind, da mit pflanzlichen Stoffen aromatisiert - werden zum Trinken in der Regel mit frischem Wasser verdünnt.

Zwei klare Flüssigkeiten gemischt werden milchig
Bei diesem Mischen mit Wasser geschieht etwas Erstaunliches: Die im Prinzip farblosen, allenfalls durch Zusatzstoffe leicht gelblich oder grünlich gefärbten Liköre werden durch Zufügen von klarem Wasser schlagartig milchig-trüb.

Louche-Effekt
Das ist der Louche-Effekt - französisch für "undurchsichtig". Verantwortlich sind die im Anis-Likör enthaltenen aromatischen Öle aus der Gruppe der Terpene. Die sind zwar in konzentriertem Alkohol löslich, nicht aber in Wasser.

Öle bilden mit Wasser eine Emulsion
Pastis & Co. haben einen Alkoholgehalt von 40 bis 60 Prozent. Verdünnt man sie mit Wasser zum Aperitif, wird ein Grossteil der Terpene ausgefällt. Es entsteht eine Emulsion - ein Wasser/Öl-Gemisch, in dem die aromatischen Öle in feinsten Tröpfchen im ganzen Glas verteilt sind und das Licht brechen.

Qualitätskontrolle
Diesen Effekt kann man auch zur Qualitätskontrolle an der Bar einsetzen: Bei gleichem Mischverhältnis weist eine stärkere Trübung auf einen höheren Anteil der aromatischen Anis-Stoffe hin.

Auch im Kühlschrank
Auch ohne Wasser kann der Louche-Effekt beobachtet werden: Stellt man die Pastis-Flasche in den Kühlschrank, wird der Likör leicht milchig: Kalter Alkohol kann weniger Öl absorbieren als warmer.

Dasselbe beim Absinth
Der Louche-Effekt stellt sich nicht nur bei den Anis-Likören ein. Der gerade wieder legalisierte grünliche Absinth wird mit Wasser gemischt ebenso milchig. Der Grund ist derselbe; auch aus der aromagebenden Wermuthpflanze werden bei der Herstellung ätherische Öle gelöst, unter anderem das berüchtigte Thujon.

Umstrittenes Thujon
Dieses Nervengift war der Grund, weshalb Absinth überhaupt verboten wurde. Die Wiederzulassung war an die Bedingung geknüpft, dass dessen Anteil im Wermuth-Likör reduziert wird. Die neuere Forschung zeigt allerdings, dass es schon früher in zu geringer Konzentration im Absinth vorhanden war, als dass es tatsächlich Symptome auslöste, die einem Cannabis-High vergleichbar sind. Oder anders: Wer so viel von der Grünen Fee schluckte, dass Thujon tatsächlich Wirkung zeigen konnte, war dermassen sturzhagelvoll, dass er wohl gar nichts mehr gespürt hat.

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